Ortsfamilienbuch Atens

Die Bewohner des Kirchspiels Atens 1655 bis 1910
von Heinz-Dieter Mehrtens, Ralf-Enno Müller und Claudia Peplau

Ortsfamiliendatei Atens

Die Kirchenbücher der Kirchengemeinde Atens wurden in reichlich 10jähriger Arbeit von einem Team in die jetzt zugängliche Datenbank überführt. Wir haben die ältesten drei Kirchenbücher zunächst abgeschrieben, um uns mit den verschiedenen Schriften der Pastoren, ihren Eintragungsweisen, auch den hier üblichen Namen und Familien vertraut zu machen. Den Inhalt der leichter lesbaren Kirchenbücher ab 1866 haben wir ohne vorherige Abschriften direkt in die Datenbank übertragen. Die Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde entwickelte während dieser vorbereitenden Arbeiten das Programm TNG (The Next Generation) für unseren Verein so fort, dass wir dann als Team gleichzeitig im Datenbestand arbeiten und wechselseitig die Personen und Familien ergänzen konnten. Der Datenbestand lag die ganze Zeit auf dem Server der OGF, auf den wir über das Internet Zugriff hatten.

Diese Arbeitsweise hat den ganzen Prozess ungemein vereinfacht und auch beschleunigt; dadurch wurde auch eine recht dichte gegenseitige Kontrolle aller Eintragungen gewährleistet, die aber trotzdem zum Abschluss noch in vielen Durchläufen einer gründlichen Prüfung auf Plausibilität, Fehlerfreiheit und innere Konsistenz unterzogen wurde. Völlige Fehlerfreiheit ist nicht möglich. Die Veröffentlichung des Ortsfamilienbuches in einer Datenbank statt auf einer CD gibt aber die Möglichkeit laufender weiterer Korrekturen und Ergänzungen. Da mittlerweile auch die Daten vieler anderer Kirchspiele in einer TNG-Datenbank zusammengefasst sind (auch soweit noch keine fertigen Ortsfamilienbücher vorliegen) und den Mitgliedern des Arbeitskreises Kirchenbucherfassung zur Einsicht offen stehen, konnten wir die Familien in sehr vielen Fällen in andere Orte weiter verfolgen und geben den Nutzern so die nötigen Hinweise, um die Familien zu vervollständigen.

Kirchspiel Atens

Das Kirchspiel Atens lag bis zur Weserkorrektur unmittelbar westlich an einem Flussarm im Weserdelta. Dort mündete die Heete in die Weser und bildete die südliche Grenze. Ab 1408 sicherte die von den Bremern erbaute Friedeburg, die aber 1424 schon wieder geschleift wurde, den Übergang über die Heete. Das Kirchspiel Atens ist kleiner und jünger als die Kirchspiele Blexen und Abbehausen, von denen es im Norden, Westen und Süden umschlossen wird. Eine erste Kirche wurde um 1505 von den Karmelitern gegenüber der Friedeburg auf einer hohen Dorfwurt unter dem Prior Johannes Kruse errichtet; in der Reformation zog Graf Anton I. von Oldenburg die Kirchengüter ein, Kirche und Kloster verfielen rasch wieder. Erst im beginnenden 17. Jahrhundert wurde die bis heute erhaltene Marienkirche erbaut, weil die Entfernungen nach Blexen oder Abbehausen in der wegelosen Marsch einfach zu weit waren.

Als Ortsteile oder Wohnplätze kommen hauptsächlich vor: Kirchdorf Atens (auf oder an der Kirchwurt); Auf dem Schlaat (die Gegend bei der Friedeburg und heutige Atenser Allee); Atenser Ziegelei (heute Gelände der Spedition Stührenberg), Altensiel, Plaatweg; ferner die wenigen Hausmannsstellen: Coldewärf (Ort der Schlacht von 1368 zwischen dem Oldenburger Grafenhaus und den verbündeten Bremern gegen die Rüstringer in Butjadingen) sowie Sarve, Neuhamm bzw. Trumpfhörne, wobei diese zeitweilig auch zu Abbehausen eingepfarrt waren. 1746 wurde der Atenser Sand, ursprünglich eine Weserinsel, eingedeicht und die Alte Weser, der Weserarm vor dem Dorf Atens, verlandete. Auf dem Atenser Sand entstanden die herrschaftlich freien Güter Schützfeld, Tongern und Wartfeld und das Gut Nordenhamm, das später mit nur einem „m“ namengebend für die Stadt wurde. Zum Atenser Sand zählte auch die Atenser Inlage (eine Ziegelei) und der Hafen Großensiel, der eigentlich zum Kirchspiel Abbehausen gehörte; mehr und mehr Bewohner ließen aber ihre Kinder in Atens taufen. Wer eine Amtshandlung in Atens vemisst, sollte sie in Abbehausen suchen.

Mit dem Aufschwung durch den Ochsenhandel nach England und der Industrialisierung vergrößerte sich die Bevölkerung enorm und der Schwerpunkt der Besiedlung verlagerte sich vom Dorf Atens in Richtung Weser. 1908 wurde die Gemeinde Atens unter dem Namen Nordenham zu einer Stadt 2. Klasse erhoben. Zur heutigen Stadt Nordenham gehören neben der Altgemeinde Atens auch die Gemeinden Blexen, Abbehausen und Esenshamm, die aber weiterhin selbständige Kirchspiele sind.

Für die genaue Darstellung der Geschichte von Atens und Nordenham, mit zahlreichen Bildern, Tabellen und Statistiken, sowie Sach- und Personenregistern sei verwiesen auf die im Auftrag der Stadt Nordenham von Eila Elzholz herausgegebene Monographie:
Wolfgang Günther, Hermann Haiduck, Rosemarie Krämer, Peter Schmid, Heinrich Schmidt, Nordenham, Geschichte einer Stadt, Isensee Verlag Oldenburg, 1993, 681 S.

Quellen-Auswertung

Das erste erhaltene Kirchenbuch setzt 1655 ein und enthält als wichtiges Zeitdokument die Toten der Weihnachtsflut von 1717. Die Eintragungen danach sind über einige Jahre lückenhaft, auch durch Wasserschaden zum Teil unleserlich, es scheint als sei der Pastor, der selbst Familienangehörige verloren hatte, seiner Sinne nicht mehr ganz mächtig gewesen. Da die Kirchenbücher aus Atens inzwischen im Online-Portal Archion der Evangelischen Kirche in Deutschland einsehbar sind, kann sich jeder Interessierte selbst ein Bild machen. Bei der Namensgebung fällt auf, dass hier schon weitgehend feststehende Familiennamen gebräuchlich sind, während in Blexen zur gleichen Zeit das friesische Patronym noch recht weit verbreitet war.
Das zweite Kirchenbuch setzt – unter zeitlicher Überlappung mit dem ersten Buch – 1728 neu ein. Die Verheerungen der Flut von 1717 führten neben den direkten Todesfällen auch zu einer starken Abwanderung wegen der Versalzung der Böden und einer späteren Neubesiedelung. Zwischen dem ersten und dem zweiten Kirchenbuch gibt es nur wenige durchgehende Familien.
Das dritte Buch beginnt, unter französische Verwaltung, 1811, noch immer als Mischbuch; hier werden die Personalangaben immer genauer. Ab 1866 teilen sich die Bücher in die verschiedenen Amtshandlungen auf.

Neben diesen Büchern wurde das Familienregister – im Rahmen des Datenschutzes – ausgewertet. Es nennt selbst keine Laufzeit, wurde aber offenbar, wenn man sich die Handschriften im Rahmen derselben Registernummer genau anschaut, im Laufe des Jahres 1910 erstmals angelegt; eine Familie wurde vom Pfarrer vollständig eingetragen, sobald eine Amtshandlung (Taufe, Konfirmation) zu vollziehen war; dann wurden die Eltern mit Geburtsdaten und Heirat, auch noch deren Eltern und alle Kinder eingetragen, und zwar – für die Familienforscher besonders wertvoll – auch die auswärtigen Heiraten und Geburten. Jede Familie bekam eine Seite, auf der nach der ersten Eintragung auch die danach geborenen Kinder nachgetragen wurde, sowie Vermerke zu deren Konfirmationen, Heiraten und zu Todesfällen. Neue Familien wurden bis in die 40er Jahre angelegt; Vermerke zu Todesfällen unregelmäßig auch noch später nachgetragen.

Ab etwa 1880 setzte ein großer Zustrom auswärtiger Arbeitskräfte in die wachsende Industrie ein. Diese Familien erscheinen dann vielleicht mit einem oder wenigen Kindern im Taufregister; nur mithilfe des Familienregisters ließ sich nachvollziehen, woher viele dieser Familien kamen und wann und wo die Ehen geschlossen wurden.

Wegen der weiteren Einzelheiten zu den verwendeten Quellen wird auf die Angaben im Ortsfamilienbuch verwiesen. Soweit auswärtige Kirchspiele betroffen sind, haben wir im wesentlichen (nur) die bereits erschienenen oder in Arbeit befindlichen Ortsfamilienbücher benutzt und zitiert, auf die Originalquellen sind wir in diesen sehr zahlreichen Fällen nicht zurückgegangen. Umfangreichere Ausnahmen gibt es insbesondere für das Kirchspiel Abbehausen, weil dessen Bearbeitungsstand noch nicht so weit fortgeschritten ist.

Die Texte der Eintragungen in den Atenser Kirchenbüchern sind bei den einzelnen Personendaten möglichst buchstabengetreu zitiert. Aus diesen Quelltexten ergibt sich auch die jeweilige Schreibweise der Namen, wie sie der Pfarrer eingetragen hat. Um dem heutigen Nutzer die Suche zu erleichtern, entspricht es aber den Gepflogenheiten der OGF, die Familiennamen in den Datensätzen so zu schreiben, „wie sie im Oldenburger Telefonbuch stehen“. Es gibt allerdings viele Familiennamen, die bis heute in unterschiedlichen Varianten geschrieben werden, und es lässt sich bei Eintragungen des 18. und 19. Jahrhunderts nicht immer feststellen, in welche Richtung sich der Name bewegt. Bei der Eingabe in die Suchmasken sind deshalb unterschiedliche Varianten oder Platzhalter auszuprobieren.
Auch die Vornamen hatten früher keine festgelegte Schreibweise; die Namen derselben Person, insbesondere die Frauennamen, können deshalb über ihr Leben hinweg bei den unterschiedlichen Anlässen stark variieren. Wir haben uns meistens für die Schreibweise des Taufeintrages entschieden, wenn wir ihn hatten; die Varianten ergeben sich dann aus den weiteren Quelltexten. Der moderne Sucher möge deshalb auch bei den Vornamen verschiedene Eingaben probieren (z.B. Catharine, Cathrine, Catharina, Catrin, und alles auch mit „K“, sowie Trine, Triene); bei den Frauennamen strebten die Pfarrer nach „Vokalharmonie“; die Mädchen heißen Catharina Margareta Helena oder Catharine Margarete Helene, man suche stets nach allen Varianten.